Herstellung der Grundweine

Die Gärung erfolgt in 25.000-Liter-Behältern aus Holz oder beschichtetem Beton, bei Malvasia und Boal zumeist mittels Maischegärung, bei Sercial und Verdelho wird der Most vorher von den Schalen getrennt. Weine aus Sercial und Verdelho werden zumeist trocken vergoren. Bei Weinen aus Malvasia erfolgt schon frühzeitig und bei jenen aus Boal nach Hälfte der Gärung ein Abstoppen durch hochprozentigen Aguardente (Branntwein).

Canteiro Methode

Sie lagern die Fässer unter den Dächern der Lodges in den Canteiros (Lagergestelle für die Fässer), wo sie auf natürliche Weise durch die Sonne erhitzt werden, in der Nacht wieder abgekühlt werden und dadurch gegenüber den anderen Varianten extremen Temperatur-Schwankungen ausgesetzt sind. Die auf diese traditionelle Weise auf der Insel (und nicht mittels langer Schiffsreise) gereiften Weine wurden früher auch als als „Vinho canteiro“ bezeichnet. In allen Fällen wird durch das Erwärmen der enthaltene Zucker teilweise karamellisiert. Der Wein bekommt den typischen Geschmack und durch starke Oxidation den Maderisierungs-Ton. Nach dem Estufagem (der Erwärmung) muss der Wein vorsichtig abgekühlt werden. Das Alter der Weine wird ab dem Ende der Estufagem-Phase berechnet.

Estufagem-Methode

Estufagem ist jene Herstellungs-Technik, die fast ausschließlich beim Madeira angewendet wird und diesen unverwechselbar macht. Das ist die Erhitzung des Weines, der er früher auf den Schiffsreisen über den Äquator in natürlicher Form ausgesetzt war. Für die Massen-Produktion werden riesige, gekachelte Betontanks mit 20.000 bis 50.000 Liter Volumen verwendet. Durch diese verläuft eine von heißem Wasser durchströmte Heizschlange aus Edelstahl, die den Wein mindestens drei bis sechs Monate lang auf 40 bis 50 °C erwärmt.

Die vier edlen Sorten der Madeiras

Die traditionellen vier edlen Rebsorten, aus denen heute die besten und teuersten Weine rein­sortig (zumindest 85%) produziert werden, sind Boal (Bual), Malvasia Bianca (Malmsey), Sercial und Verdelho

Demijohn

Bezeichnung (auch Demijon, Demi John, Demingnon oder Lady Jane) für einen zumeist korbumflochtenen Weinbehälter aus Glas (Glasballon) oder Ton mit kugelförmigem Körper und schlankem Hals. Der Name ist möglicherweise vom französischen Begriff Dame-Jeanne abgeleitet. Das unterschiedliche Volumen beträgt von einer bis zehn Gallonen (4,5 bis 45 Liter). Im deutschen Niedersachsen wird Demijon im plattdeutschen Dialekt auch heute noch für große Bauchflaschen im Korb verwendet, die zumeist für die Aufbewahrung und Transport von Branntwein und Rum dienen. Des weiteren sind solche Flaschen auch für die Lagerung bzw. Reifung von Portwein und Sherry üblich. Für die Vermarktung wird der Inhalt danach in Normalflaschen umgefüllt. Siehe auch unter Flaschen und Weingefäße.

Boal

ist ein häufig verwendeter Name bzw. Bestandteil von Bezeichnungen zahlreicher weißer Rebsorten in Portugal. Besonders bei dieser Sortengruppe zeigt sich die fast unübersichtliche Vielfalt von zahllosen autochthonen Sorten dieses Landes. Im VIVC (Vitis International Variety Catalogue) sind rund 40 Sorten angeführt, die im Haupt- oder Synonym-Namen „Boal“ enthalten. Einige davon sind sicher miteinander verwandt, aber es handelt sich mit großer Wahrscheinlichkeit zum Teil auch um eigenständige Rebsorten.

Die auf der Insel Madeira häufigste Spielart ist Boal Chachudo (auch Boal da Madeira), weitere sind Boal Barreiro, Boal Branco (auch Boal de Alicante, Boal Branco do Algarve, Boal de Madere), Boal Espinho (auch Branca Fernandes) und Boal Ratinho. Diese belegen insgesamt rund 4.000 Hektar Rebfläche. Durch in Portugal durchgeführte DNAAnalysen wurde festgestellt, dass die Boal Chachudo identisch mit der Malvasia Fina aus dem Bereich Douro ist. Die Boal Ratinho ist eine wahrscheinlich spontane Kreuzung zwischen Malvasia Fina (Boal Cachudo) x Códega (Crato Branco = Síria). Die anglisierte Form des Namens ist Bual, nach dem auch einer der Madeira-Stile benannt ist. Die aroamtischen Weine haben hohen Säureanteil, sind besonders langlebig und entwickeln bei oxidativem Ausbau den typischen maderisierten Ton. Die Boal wird auch als Tafeltraube verwendet. Auf den Kanarischen Inseln wird die Boal unter dem Namen Gual angebaut.

Malmsey (Malvasia):

Der süßeste und komplexeste Madeira-Stil, der von vielen als der beste bezeichnet wird. Die roten und weißen Varietäten der Malvasia-Traube wachsen in den niedrigsten und wärmsten Bereichen der Insel (besonders um Câmara de Lobos). Der üppigsüße Wein mit einem Honig-, Kaffee- und Karamell-Aroma schmeckt auf Grund einer prägnanten und ausgleichenden Säure trotzdem nicht klebrig. Dieser Wein ist hundert Jahre und länger haltbar. Der Restzucker-Gehalt darf 96 bis 135 g/l betragen.

Sercial:

Der trockenste und in der Jugend säuerliche und adstringierende Stil mit einer blassen Farbe. Die gleichnamige Rebsorte wird meist in den kühleren Höhenlagen und auf der Nordseite der Insel angebaut und reift deshalb selten aus. Nach zumindest zehnjähriger Alterung entwickelt sich ein mandelähnliches Aroma. Der Restzucker-Gehalt darf 18 bis 65 g/l betragen, der Wein erscheint aber auch mit 40 g/l noch trocken.

Die weiße Rebsorte stammt aus Portugal. Synonyme sind Sarcial, Serceal, Sercial de Madeira und Sercial de Madere. Die lange bestehende Vermutung, dass es sich um einen Riesling-Klon handelt, hat sich als falsch herausgestellt. Die spät reifende Rebe wird auf der Insel Madeira kultiviert und gab auch einer Variante dieses Dessertweins den Namen. Unter dem Namen Esgana Cão wird sie auf dem portugiesischen Festland angebaut. Die französische Sorte Ondenc wurde früher in Australien unter dem Namen Sercial angebaut. Ób eine Verbindung besteht, ist nicht bekannt.

Verdelho:

Der halbtrocken bis halbsüß ausgebaute Weinstil hat einen zartbitteren, nussartigen Geschmack. Die gleichnamige Sorte (rote und weiße Varietäten) wird ebenfalls auf der Nordseite der Insel angebaut, kommt aber zur besseren Reife wie die Sercial. Auch im Alter bleibt eine pikante Säure erhalten, die goldgelbe Farbe entwickelt sich dabei von goldgelb zu einem dunkleren Ton. Der Restzucker-Gehalt darf 49 bis 78 g/l betragen.

Die weiße Rebsorte stammt aus Portugal. Dort wird sie vor allem auf der Inselgruppe der Azoren und auf der Insel Madeira angebaut. Die früh reifende Sorte besitzt kleine, zuckerreiche Beeren, die geschmacksneutrale, alkoholreiche und säurebetonte Weißweine erbringen. Sie ist eine der vier edlen Sorten für den Madeira und gab dieser halbtrockenen bis halbsüßen Madeira-Variante den Namen. Die Rebe wird auch in kleinen Mengen in Australien (Hunter Valley, McLaren Vale) kultiviert. Spielarten mit unterschiedlicher Beerenfarbe sind Verdelho do Dão (weiße Beeren), Verdelho Feijao (blau), Verdelho Roxo (rosa) und Verdelho Tinto (schwarz). Die auf dem portugiesischen Festland vertretene Gouveio (mit dem Synonym Verdelho) ist nicht identisch. Vom Aussehen her ähnelt die Verdelho der spanischen Verdejo; über eine verwandtschaftliche Beziehung ist aber nichts bekannt

Quellen: www.wein-plus.de / www.wikipedia.de / Bruno J. Resi

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