Mehr als regional,

lautet die Philosophie der 3 jungen Gastronomen Rafael Hänni, Michael Früh & Fabienne Lüdi.

Wie das gehen soll?

Nicht nur die Produkte, die verarbeitet werden, kommen alle aus der Schweiz, sondern auch das Futter, das die Tiere zu fressen kriegen, muss aus der Schweiz sein. So liest sich auch die Karte, die nach dem Motto «Schweiz auf dem Teller, Schweiz im Glas» aufgebaut ist.

Das mussten wir uns natürlich unbedingt anschauen bzw. ankosten – insbesondere, da das Restaurant keine 300 Meter von unserer Wohnung am Berner Stadtrand entfernt ist.

Das Lokal

Wir verfolgten bereits in den letzten Wochen die Bautätigkeiten in unserer Nachbarschaft und waren schon ganz neugierig, was da aus der alten Werkshalle wohl werden wird.

Bereits der Eingang lässt erahnen, was einen drinnen erwartet – alte Werkstore und moderner Eingang. Eine gute Kombination aus Alt & Neu!

Innen findet man sich in einem modernen, gut durchdachten Raumkonzept.

Die Bar und die Anrichte liegen zentral im Raum und sind so für das Mittagsgeschäft perfekt vorbereitet (Hier holt man sich das Getränk und Essen an der Bar und kann so seine Zeit dem Essen widmen und nicht dem „aufs Essen warten“). Die Mittagskarte entspricht ebenso der Philosophie und es gibt täglich Vegi und Fleisch .

Die Abendkarte wechselt alle 3 bis 4 Wochen bzw. wenn es erforderlich ist, weil eine Zutat nicht mehr verfügbar ist. 

Wir haben uns dazu entschieden, beide Vorspeisen (1x Spargel, 1x Tartar), den Fleischhauptgang (Schulter vom Zebu – Buckelrind) und beide Nachspeisen (Rharbarber und Blauschimmel) zu bestellen. Dazu nehmen wir natürlich die Weinbegleitung!

Sympathisch finden wir schon allemal, dass heimisches Wasser still und perlend aus der Flasche ausgeschenkt wird – GRATIS, soviel mal will!

Ebenso gibt es gleich zu Beginn selbstgemachtes Sauerteigbrot mit Sauerteig-Butter, das zum Leidwesen meiner Figur laufend frag- und kommentarlos nachgefüllt wird).

Aperitif: Vollmondpirat 2018

Ein Naturschaumwein aus Riesling-Sylvaner, Pinot noir und Pinot gris, bei Vollmond geerntet und in der Flasche vergoren. Fein zu trinken, unkompliziert!

Als Gruß aus der Küche gibt es eine Forelle auf fermentiertem Fenchel und Ingwer und Klee „aus dem Wald“.
Was hier bereits auffällt – es schmeckt alle unglaublich intensiv!

Die Vorspeisen

Der Spargel ist sehr zart und nicht zerkocht, das Ei in Kombination mit dem Bärlauch und der Aprikose geben eine feine Kombination.
Das Tartar von der 8 Jahre alten heimischen Aubrac-Kuh, nebst fermentierten Sellerei, Girsch (einem Wildkraut) mit feiner Senf-Mayonaise, ist für mich im Nachhinein das Highlight des Menü's.  
Dazu wird uns ein ein Chasselas vom Weingut "Quergut Johanniter" Arlesheim kredenzt, der zu beiden Vorspeisen gut passt.

Die Hauptspeise

Spätestens jetzt haben uns die 3 Gastgeber überzeugt, dass ihr Konzept neben nachhaltig auch unglaublich genussvoll ist!

Der Hauptgang - die Schulter vom Zebu-Rind mit Aranhuja Kartoffel, Karotten und Fichtenspitzen zeigt wieder, mit welch handwerklicher Kunst hier gearbeitet wird: Jedes Teil mit intensivem Eigengeschmack, fein abgeschmeckt und ausgewogen.
Auch hier sticht wieder der intensive Eigengeschmack vom Rind hervor (man riecht das Fleisch, wenn es 2 Meter am Nachbartisch serviert wird)!

Dazu gibt's einen Plant Robert (Verwandt mit Gamay, aber fast so würzig wie ein Blaufränkischer). Plant Robert ist eine Rebsorte, die fast ausgestorben ist und der sich ein paar Winzer im Lavaux angenommen haben. Mehr Details dazu gibt's unter www.plant-robert.ch

Die Nachspeisen

Sind die Nachspeisen in vielen Lokalen ein Problem, so sind hier die heute gereichten Nachspeisen in derselben Qualität wie das gesamt Essen zuvor: präzise und fein abgestimmt. Die dazu gereichten Weine – ein roter Likörwein aus der Schweiz und ein Schaumwein aus Apfelquitte.

Zum Digestif

Zum Abschluss lassen wir uns noch zu einem Lupinenaufguss  und Lupinencappucino überreden, die beide sehr spannend und speziell schmecken (die ich persönlich aber nicht mehr bestellen werde …).  Den Abend lassen wir dann noch mit einem Brand (1x Birne – 1x Alte Zwetschge im Faß) ausklingen.

Fazit

Ein tolles Konzept und ein schöner Abend. 
Und – um ein bisschen zu unken – das Einzige an dem Abend, das nicht aus der Schweiz kam, waren die Spirituosengläser von Riedel 😉 … aber vielleicht lässt sich Rene Gabriel ja doch noch zu einem 2. Glas überreden?

Wir kommen jeden falls wieder!

Meine persönliche Bewertung

Küche Service Weinkarte
(Weinpreisliste)
Preisfaktor
16 / 20 15 / 20 14 / 20 4,5 / 5

 

Der Werkhof im Internet:
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